09.10.2006

Nenn´ mich einfach Luzifer!

 

 

Text: Heidi Buck

 

 

Höllisch gut und himmlisch frisch: Mit außergewöhnlichen deutschen Texten lassen 'Poems on the Rocks' legendäre Rocksongs klingen wie gerade erst geschrieben.

 

 

'Sympathy For The Devil' von den Stones, 'Come Together' von den Beatles, 'Lola' von den Kinks, 'Wish You Were Here' von Pink Floyd oder 'The Carpet Crawlers' von Genesis – die Titel kennt fast jeder. Doch, Hand aufs Herz: Wer kann schon – ohne rot zu werden! – von sich behaupten, dass auch die Texte dieser legendären Songs so richtig in Fleisch und Blut übergegangen sind? Dabei sind gerade sie es häufig wert, dass man sich ganz bewusst mit ihnen auseinandersetzt.  

 

Mit der Konzeptband 'Poems On The Rocks' haben sich der Schauspieler und Sprecher Jo Jung, der Sänger Jörg Krauss sowie fünf Profimusiker aus der Region Esslingen vorgenommen, die poetische Kraft, die in den Texten vieler Rock- und Popklassiker steckt, allgemein verständlich und aufs Neue erlebbar zu machen. Man kann sagen: Experiment gelungen! Denn Jung begnügt sich keineswegs damit, Poplyrik einfach Wort für Wort ins Deutsche zu übertragen. Vielmehr spürt er, mit viel Feingefühl für aktuellen und vergangenen Zeitgeist, der Seele der Songklassiker nach.

 

"Kein Prinz und Kanzler kennt doch den Spagat zu Armut und des Volkes Zorn"

 

Bob Dylans 1967 veröffentlichtes 'All Along The Watchtower' in der neuen Übersetzung von Jo Jung? Das liest sich so: "Kein Prinz und kein Kanzler kennt doch den Spagat zu Armut und des Volkes Zorn. Die Dummen sind auf Dauer nicht die Kleinen, auch wenn´s den Anschein macht. (...) Oben auf dem Wachtturm schaut die Prinzessin aufmerksam und ängstlich auf ihr Land. Ihre Zofen und die Diener wuseln hin und her, doch niemand hält mehr der Prinzessin Hand." Ein Schelm, wer bei der Prinzessin an eine amtierende Bundeskanzlerin denkt?

Poems On The Rocks: Songs und Texte für die Ewigkeit

Immer wieder schafft es Jung, dass der deutsche Text die Stimmung des Originals ebenso wiedergibt wie er mit verblüffender Aktualität und ganz eigener Authentizität faszinieren kann. Und so trifft man die Gin durchtränkte 'Honky Tonk Woman' statt in Memphis/­Tennessee zur Abwechslung eben auch schon mal im Landkreis Esslingen – "drüben in Hochdorf, echt wahr!". Oder es heißt statt "Oh, what a lucky man he was!" ganz einfach "Oh, dieser Glückspilz, nichts ficht ihn an."

 

Ausgangspunkt für die musikalisch brillant umgesetzten poetischen und erzähltechnischen Glanzlichter sind bekannte Klassiker der Rockmusik – aber auch die genial rezitierte Geschichte vom schaurigen Gifttod der Blueslegende Robert Johnson. Das außergewöhnliche Konzept der exzellent besetzten Band sorgt beim Publikum immer wieder für Aha-Effekte, denn: Spontaneität ist Trumpf und Abwechslung wird reichlich geboten. Mal rezitiert Jung die Übersetzung vorab und Rockröhre Krauss singt im Anschluss den englischen Originaltext. Dann wieder erzählt Jung Geschichten zu den Songs oder Sprecher (deutsch) und Sänger (englisch) kommen abwechslend zum Einsatz.

 

"Wir sind keine Oldie-Band"

 

"Poems On The Rocks sind keine Oldie-Band, sondern vielmehr ein Projekt, eine Konzeptband", sagt Jung, dessen markante Stimme vielen auch aus Hörspielen und Hörbüchern oder aus TV-Produktionen der Sender SWR und Arte vertraut ist. "Wir wollen unserem Publikum näherbringen und verständlich machen, was mutige und innovative Künstler in der Hochzeit der Rockmusik, also etwa zwischen 1965 und 1980, bewegt hat und was sie mit ihren Texten ausdrücken wollten." 

"Nenn´ mich einfach Luzifer", kokettiert Jung dann auch dämonisch lachend gleich zu Beginn der Show. Und natürlich ist es kein Zufall, dass sich der Kreis mit 'Sympathy For The Devil' – dem Opener des Rolling-Stones-Klassikers 'Beggars Banquet' – öffnet und sich mit 'Salt Of The Earth', gleichzeitig das letzte Stück des 1968 erschienenen Albums, wieder schließt. Dazwischen nimmt die Band ihr Publikum mit auf eine magische Reise durch die vermeintlich – oder vielleicht doch wirklich? – goldene Ära der Rock- und Popmusik.

 

Auch Eric Burdon zeigte sich beeindruckt

 

Im Juli 2005 begeisterten 'Poems On The Rocks' auf der Esslinger Burg nicht nur das Publikum, sondern auch den Hauptakteur des Abends: Eric Burdon, den ehemaligen Frontman der Animals (House Of The Rising Sun). Im März dieses Jahres folgte für Jung und Band ein viel beachtetes Studiokonzert bei SWR1 Rheinland-Pfalz in Mainz. Mitschnitte der Veranstaltung gab´s im April 2006 in der SWR1-Radiosendung 'Szene' zu hören.  

 

Wer also Rockpoeten wie Lennon/McCartney, Jagger/Richards, Bob Dylan, Jim Morrison oder Ray Davies endlich mal auf die Spur kommen möchte, hat dazu bald wieder Gelegenheit: am 21. Oktober 2006 im 'Kulturzentrum Dieselstrasse' in Esslingen. Darf man dem Publikum schon jetzt absolute Satisfaction versprechen? Man darf und man kann. Und das, ohne auch nur die Spur von rot dabei zu werden.

Jo Jung
Jörg Krauss

Poems On The Rocks

Live-Termine 2007/08

 

19.10.07: Stuttgart

"Laboratorium"

24.11.07: Ravensburg

"Zehntscheuer"

29.02.08: Waiblingen

Kulturhaus Schwanen

28.03.08: Nagold

"Alte Seminarturnhalle"

 

Line-up:

 

Christoph Berner (Gitarre)

Jo Jung (Text + Sprache)

Andy Kemmer (Bass)

Helmut Kipp (Schlagzeug)

Jörg Krauss (Gesang)

Edgar Müller (Keyboards)
 

www.poemsontherocks.de